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Liebesroman schreiben: Warum so viele Lovestorys nerven und wie du es besser machst
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Liebesroman schreiben: Warum so viele Lovestorys nerven und wie du es besser machst

Ob du einen Liebesroman schreiben möchtest oder Liebe als Nebenplot in deinem Roman vorkommt – authentische Liebesgeschichten sind eine Herausforderung.

Seit meinem 15. Lebensjahr bis ich meine erste Vollzeit-Arbeitsstelle bekam, waren Liebesgeschichten die Storys meiner Wahl. Ich suchte täglich nach mehr. Ich sehnte mich danach, diese eine Liebesgeschichte zu lesen, die ich selbst erleben wollte. Bis dahin war nichts in meinem Leben vergleichbar mit dem, was ich in Büchern las. Die Art von Liebe, die es nur in Büchern gab, machte mich süchtig: wenn ich sie schon nicht selbst erleben konnte, wollte ich von ihr lesen.

Hand aufs Herz, inzwischen machen mich diese Lovestorys wütend.

Warum das so ist und welche vier Zutaten dir helfen, einen besseren Liebesroman zu schreiben, erfährst du hier.

Erste Liebe, einzige Liebe, ewige Liebe - örgs

Als Jugendliche wollte ich eine Märchenliebe à la Disney, einen Prinzen, der mich rettet (ja, ich schüttele mich ein wenig, während ich das schreibe). Einen Prinzen, der für mich einsteht und seinen Mut beweist. Immer wieder enttäuscht von der Feigheit der junge Männer in meinem Leben, sehnte ich mich schließlich nach dem, was Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in Stolz und Vorurteil haben. Eine tiefe Verbindung, nachdem sie die Fehler voneinander schätzen und lieben gelernt haben.

Ich las all diese sogenannten „Mädchen“-Bücher und träumte von der ERSTEN GROßEN LIEBE, die auf ewig währt. Du gehst doch nicht in einen Späti, um dich für eine von fünf Bierflaschen für den Rest deines Lebens zu entscheiden. Viel eher suchst du nach der passenden Jeans, die nicht ganz perfekt ist, weil es nun mal keine perfekte Jeans gibt, die du erst nach stundenlangem Vergleichen und Schwitzen in der Umkleide mitnimmst. Zu Hause merkst du dann erst, ob du sie liebst oder sie dir doch nicht ganz so gut steht. Doch diese Erfahrung hilft dir, mit der Zeit deinen Stil zu finden. Es hat ein wenig gedauert, bis ich verstanden habe, dass die erste große Liebe für die wenigsten von uns ewig hält. Selbst, wenn du dir das wünschst, heißt es nicht, dass dein:e Partner:in das genauso sieht.

Doch in den Büchern, die ich las, kamen sie entweder zum Schluss zusammen oder starben.

Liebesromane schreiben mit Klischees: Jungfräulichkeit aufgeben und verwitwete Männer

Als Teenie liebte ich Fantasy und Liebesromane, doch es gab immer etwas daran, das mir das Gefühl gab, weniger zu sein. Ich konnte mich nie ganz mit den himmlisch schönen, weiblichen Charakteren identifizieren. Weil mein Herz bereits gebrochen war. Weil ich weitergelebt und -geliebt habe und meine Vergangenheit hinter mir gelassen habe.

Doch diese Bücher erzählten von Frauen, die nie zuvor geliebt haben, die unberührt waren, „rein“. Und wenn sie ihre „Jungfräulichkeit verloren“, verloren sie sie aus tiefster Liebe an den Mann ihrer Träume. Als wäre ihre Jungfräulichkeit ihr definierender Wert und etwas, das ein Mensch verliert anstatt es zu erfahren. Diese Bücher erzählten von Frauen, die ihre erste Liebe fanden und heirateten. Von Frauen, die sich vor ihrer großen Liebe noch nie zu jemandem sexuell hingezogen gefühlt haben. Und alle anderen „unreinen“ Frauen spazierten in ihr Verderben. Die Bücher letzterer Art konnte ich nicht lesen, denn ich identifizierte mich mit den „unreinen“ Frauen. Die Frauen, die immer Leid erfuhren und starben (Winke den nur halb gelesenen Büchern Tess D’Urberville und Anna Karenina in meinem Regal zu).

Und ist euch bereits aufgefallen, dass DER EINE in romantischen Komödien entweder verwitwet ist oder eine böse Exfreundin hat, die stets ihre Spielchen wegen ihrer Eifersüchteleien mit ihm treibt, weil sie ihn selbstverständlich zurückhaben will?

Viele Autor:innen schreiben ihre Liebesromane so, als hätte es zuvor nie eine „echte“ Liebe gegeben. Und wenn doch, ist sie entweder tot oder „verrückt“.

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Muss Schneewittchen wirklich so REIN wie Schnee sein?

Über Liebe schreiben ohne über Liebe zu schreiben

Obwohl ich mich schon mit 15 Jahren über FGM (Female Genital Mutilation) informiert habe, habe ich mich nie mit der sexistischen Mythe um die heilige Jungfräulichkeit in meiner eigenen Umgebung befasst. Ich schämte mich für mich – bis ich Tribute von Panem las. Ob Katniss Everdeen eine Jungfrau ist, ist kein Thema der Geschichte und ich feierte die Komplexität der Liebe in diesem Buch. Wann ist Liebe nur ein Schauspiel, wann ist sie echt? Was tust du, wenn dein angeblicher Geliebter dazu konditioniert wird, dich zu hassen? Was, wenn du Liebe und Schuldgefühle nicht auseinander halten kannst?

In dieser Trilogie ist Liebe chaotisch und romantische Liebe ist nicht das, wonach die Protagonistin strebt. Katniss ist bissig und skeptisch, unversöhnlich und loyal. Ihre Hauptgedanken drehen sich um ihre Schwester und ums Überleben. Die Blicke, die Peeta ihr zuwirft, interessieren sie nicht besonders. Wenn es kitschig wird, fühlt sie sich unwohl. Sie schaut nicht in seine Augen und sieht keinen blauen Ozean, der sie in tiefster Liebe ertränkt – nachdem sie zwei Wochen miteinander verbracht haben. Sie bleibt fokussiert. Ihr Ziel: Überleben. Aber nicht um jeden Preis.

Einen besseren Liebesroman schreiben: 4 Zutaten

Liebesroman schreiben #1: Innere vs. externe Konflikte

Um einen besseren Liebesroman zu schreiben, braucht dein Pärchen innere Konflikte. Nie, niemals kann ich eine Lovestory ernst nehmen, in der Menschen nur aufgrund der äußeren Umstände zueinander finden. Stell dir das Chaos vor, wenn sich alle Menschen in ihre Kolleg:innen verlieben würden (zwinkere meinem Partner zu).

Warum feiere ich immer noch Stolz und Vorurteil? Weil es Stolz und Vorurteile sind, die Lizzy und Mr. Darcy erst auseinander und schließlich zusammentreiben. Weil Mr. Darcy an seinem Stolz und Lizzy an ihren Vorurteilen gearbeitet haben, um einander zu sehen wie sie sind. Ihr Beziehungskonflikt fand innerlich statt und wurde nicht künstlich durch äußere Umstände konstruiert. Sie befassen sich mit sich selbst und beobachten einander sehr genau, sprechen miteinander und machen eine mentale Notiz darüber, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren. All das spielt im Aufbau ihrer Liebesgeschichte eine Rolle.

Hiernach ist es schwer eine Liebesgeschichte ernst zu nehmen, in der zwei Menschen lediglich in einem Haus wohnen und einander hin und wieder vor den dunklen Mächten retten, ohne dass innere Konflikte dabei eine Rolle spielen.

Liebesroman schreiben #2: Dreidimensionale Charaktere

Zweitens, und eigentlich impliziert das bereits die erste Kondition, sollten deine Charaktere dreidimensional sein, wenn du einen besseren Liebesroman schreiben willst.

In Das Reich der Sieben Höfe: Dornen und Rosen ist Tamlin, der High Lord des Hofes des Frühlings, einfach nur flach. Er will seinen Hof retten, kümmert sich um seine Freundschaften, ist ganz nett zu der Protagonistin Feyre und wird vor seinen Feinden aggressiv. Oft genug lüstet Feyre nach seinen Äußerlichkeiten. Das ist alles, was die Lesenden über ihn erfahren. Was sind seine Ticks, seine Fehler und was verbindet ihn und die Protagonistin überhaupt? Ich habe nichts gefühlt. 

[Achtung, Spoiler] Im zweiten Buch wird ziemlich schnell klar, warum Tamlin so oberflächlich beschrieben wurde – letztendlich ist es also ein cleverer Zug! Allerdings musst du erstmal das erste Buch schaffen, bevor du dich an das viel spannendere zweite Buch wagen kannst. [Spoiler Ende]

Wenn der High Lord der Nacht auftaucht, wendet sich das Blatt. Er hat einen furchtbaren Ruf, ist listig, seine Wut ist ruhig und gefährlich, er wirkt wie ein Bösewicht, doch dann tut er Dinge, die dieser Sicht widersprechen. Er ist unheimlich mysteriös und wir wollen mehr über ihn erfahren.

Snape von Harry Potter ist deshalb so beliebt: Ein Mann, der die Welt das Schlechteste über ihn denken lässt, um sie zu retten und keine Gegenleistung erwartet. Ein Mann, der Ablehnung erfuhr und nie loslassen konnte.

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Liebesroman schreiben #3: Gleichberechtigte Positionen in der Beziehung

Drittens, eine Beziehung sollte gleichberechtigt sein. Was bedeutet das? Für mich ist Feminismus gesunder Menschenverstand. Wenn ich Geschichten lese, in denen einer der Liebenden unterwürfig, während der andere dominant ist, kann ich so eine Lovestory nicht genießen. Es sei denn, genau das wird kritisiert. Für manche Menschen mag das anders sein … Aber wie kann jemand mit einer emanzipierten Sicht auf Frauen ernsthaft Twilight oder 50 Shades of Grey mögen?

In Twilight hat Bella keinerlei Hobbys. Sie ist langweilig. Ihre einzige Interesse ist Edward. Alles daran ist falsch. Sie ist bereit ihr menschliches Leben für ihn aufzugeben, weil es ihr nichts wert ist. Sogar die Adrenalin-Junkie-Hobbys sind nur eine Ablenkung von Edward für sie oder eine Art, dem Tod näher zu sein. Das Mädchen ist schwer depressiv und braucht Hilfe – und keinen glitzernden Vampir oder übermaskulinen Werwolf.

Diese „Team Edward oder Jacob“-Diskussion habe ich nie verstanden. Es ist offensichtlich, dass Bella keine Freunde hat außer dem Werwolfburschen. Der Typ Mann, der twittern würde: „Sie spielt nur mit dir, wenn du all deine Zeit damit verbringst ihr zuzuhören und sie mit einem anderen Typen ins Bett geht.“

Wenn genau diese Probleme aber thematisiert werden, lese ich es gerne, ganz so wie in Das Reich der Sieben Höfe: Flammen und Finsternis.

Liebesroman schreiben: #4 Ablehnung

Wenn du einen Liebesroman schreiben oder an einem romantischen Nebenplot arbeitest, musst du dich von der Idee verabschieden, dass Ablehnung nicht existiert. Ich bin mir sicher, dass wir uns da einig sind, dass es sie gibt. Was wäre, wenn dein:e Protagonist:in sich verliebt und dann abgelehnt wird? Oh ja, es tut weh, das zu schreiben. Es gibt einen Schreibspruch, in dem es heißt, dass deine Lesenden nur dann weinen, wenn du beim Schreiben selbst weinst. Gib ihnen ein wenig Herzschmerz. So gut wie jede Person kennt dieses Gefühl.

Wenn Ablehnung und Liebeskummer in Liebesromanen beschrieben werden, ist die ablehnende Partei oft unausstehlich, sodass die Lesenden hoffen, dass der Charakter schnell seinen Liebeskummer überwindet und die Geschichte endlich weitergeht. Wenn du deine Lesenden aber mitleiden lassen willst und einen besseren Liebesroman schreiben willst, dann gib ihnen etwas, was sie am ablehnenden Charakter lieben. Stell nur sicher, dass die neue Liebesinteresse, wenn es eine gibt, noch spannender ist. 

Emanzipierte Liebesromane schreiben und progressives Denken

Wenn du Liebesromane für die westliche Bevölkerung schreibst, beachte, dass, die meisten Menschen in diesem Teil der Welt mehr als eine Beziehung in ihrem Leben haben. Auch, wenn du Fantasy schreibst. Menschen denken da etwas fortschrittlicher als im 19. Jahrhundert und brauchen den Bezug zu ihrer Denkweise. Heutzutage sind inzwischen mehrere Sexualitäten in Liebesromanen, Fantasy und Co. (Red Queen, The Cruel Prince, Six of Crows) sowie emanzipiertere Frauen vertreten. Geschichten mit weiblichen Charakteren, die wissen, wie viel Spaß sie im Bett haben können. Die Hexe Lu in Serpent & Dove war schon sexuell aktiv, bevor sie den Mann getroffen hat, in den sie sich verliebt hat.

Um bessere Liebesromane zu schreiben, erfordert progressives Denken weniger klischeehafte Beziehungen. LGBTQIA* Pärchen haben schon immer existiert, nur mussten sie ihre Liebe in der Vergangenheit wegen menschenunwürdiger Gesetze geheimhalten (und in manchen Teilen der Welt leider immer noch). Ich finde es seltsam, moderne Fantasy-Reihen mit zahlreichen Charakteren zu lesen, wenn keine von ihnen LGBTQIA* sind. 

Und wenn es um hetero Beziehungen geht, warum ist die Frau nie älter als der Mann? Warum ist einer Märchenadaptationen von Die Schöne und das Biest nicht einmal die Frau das Biest?

Heutzutage nerven Liebesromane mit schicksalhaften erste-Liebe-ewige-Liebe-Beziehungen nur noch, da sie ein verschrobenes Bild der modernen Beziehungen liefern und unerfüllbare Erwartungen in jungen Menschen verwurzeln. Sie sind zudem selten komplex und fühlen sich unauthentisch an.

Heute weiß ich, dass ich nicht weniger wert bin, nur weil ich schon Erfahrungen gemacht habe. Wer weiß, ob mein Partner und ich uns überhaupt gefunden hätten, hätte ich nicht schon vorher geliebt und Fehler gemacht.

Die Art von Romance, von der ich mehr sehen will

Weißt du, wovon ich mehr sehen will? Fantays Bücher, in denen das schicksalhafte Pärchen sich wegen all der Differenzen trennt, die sie über die Zeit erkennen und eine neue Liebe finden. Ohne, dass die erste Liebe offensichtlich oberflächlich war. Mehr Ablehnung. Mehrere Sexualitäten. 

Das ist meine persönliche Meinung, aber du weißt ja: Schreib das Buch, das du lesen willst. Insofern ist das der beste Tipp, den ich dir mitgeben kann, um einen besseren Liebesroman zu schreiben. Schreibe das, wonach du dich sehnst und was für dich eine Lovestory glaubhaft macht.

Welche Art Lovestory würdest du gerne lesen?

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Ich bin Xenia - Autorin, zertifizierte Freie Lektorin, Social Media Expertin und Übersetzerin. Ich liebe es, Storys in allen Formen zu konsumieren, zu analysieren und zu erzählen - Bücher, Fotografie, Filme und Serien. Wenn du & ich zusammen arbeiten, sollst du dich wohl fühlen. Du kannst mir alle Fragen zu deiner Geschichte stellen - du befindest dich bei mir in einem Safe Space, einem Ort, an dem du dich sicher fühlen kannst. Aufgrund meiner jahrelangen, dramaturgischen Ausbildung ist mein Inhaltslektorat sehr intensiv - denn ich möchte dein Juwel mit dir schleifen. Gleichzeitig ist mein Lektorat aber auch sensibel - denn dein Juwel soll nicht zertrümmert werden.

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